Einst
stelltest du mir die Frage, was so schlimm daran wäre, wenn du auflegen
würdest. Wenn du unsere Telefonate gegen meinen Willen beenden würdest,
schließlich sei es doch bloß ein Knopf und nichts weiter, den du drücken
würdest, nur um mein Herz zum Zerspringen zu bringen.
Ich möchte versuchen, dir das Gefühl zu beschreiben, welches sich durch meinen
verwundbaren Körper zieht, sobald das schadenfrohe Klicken meines Handys
ertönt. Dieses Gefühl, das mich jeden Tag ein kleines bisschen mehr tötet, das
mich kaputt macht. Du machst mich kaputt. Kaputter, als ich es eh schon bin.
Kaputter, als ich es je für möglich gehalten hätte, irgendwann zu sein. Es
ähnelt einer Krankheit, die sich langsam aber sicher über dein schmerzgeplagtes
Herz legt, die langsam angeschlichen kommt, in dem Moment, in dem sich deine
Stimme so verändert, dass ich heraushören kann, dass sich unser Telefonat mal
wieder dem Ende neigt. Eine Krankheit, die dich, zwischen Verabschiedung und
dem Tuten in der Leitung, in eine innere Hochanspannung verfallen lässt. Die
dich verzweifelt hoffen lässt, dass er nicht auflegen würde, dass irgendetwas
geschehen würde, was ihn davon abhält, dich weiter unbewusst oder vielleicht
sogar bewusst zu zerstören.
Und wenn du dann doch nochmal seine Stimme hörst, ist es, als ob du fliegen
könntest. All die Anspannung fällt von dir ab, jedoch nur um sich im nächsten
Moment wieder in deinem gesamten Körper auszubreiten. Doch wenn statt seiner
Stimme nur das nervige Klicken deines Handys oder ein Tuten in der Leitung zu
hören ist, dann bricht die Krankheit, die ihre eiskalten Finger bereits die
ganze Zeit um dein kleines Herz gelegt hatte, erst richtig aus. Mit spitzen
Fingernägeln krallt sie sich in das rote Etwas, das in deiner Brust schlägt,
zerfetzt es mit ihren Worten, reißt alte Wunden auf und brennt neue hinein. Sendet
Gedanken durch deinen Kopf, die dich am Leben zweifeln lassen, an allem was dir
etwas bedeutet. Äußerlich jedoch bleibst du ruhig, währenddessen in dir drin
der Teufel tobt. Äußerlich legst du das Telefon zur Seite, ohne es auch nur
eines Blickes zu würdigen. Äußerlich widmest du dich wieder der Beschäftigung,
der du nachgegangen warst, bevor das Telefonat begann. Innerlich sagst du jedes
Mal aufs Neue Lebwohl, da du Angst
hast, seine Stimme nie wieder hören zu können. Nicht, weil du glaubst dass er
sich nicht mehr melden würde, sondern weil du nicht weißt, wie lange du das
alles noch durchstehen kannst und willst.
Du schreibst so wunderbar.
AntwortenLöschenja, schreiben tust du wirklich wunderbar.
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