Dienstag, 14. August 2012

Und dann warst du plötzlich weg.

"Ich liebe dich. Liebst du mich auch?" - "Du weißt, dass ich das nicht kann."

Ich halte das Handy von meinem Ohr weg, starre auf das grelle Display und beobachte aus sicherer Entfernung, wie unser letztes Telefonat zu Ende geht. In meinem tränennassen Gesicht spüre ich die Worte, die versuchen, eines dieser unendlich großen Gefühle auszudrücken, die sich nicht beschreiben lassen, mein Herz ist müde geworden. Die Tasten meines Handys fangen auf einmal an, sich von selbst zu drücken. Ich mache es aus, nehme den Akku raus, versuche alles, doch es hört nicht auf. Durch meinen Geist huschen tausende Gedanken, jeder von ihnen angefüllt mit Selbsthass und dem Willen, dem Leben zu entfliehen. Ich sitze auf dem Boden zwischen alten Erinnerungen, zwischen lieblosen Gegenständen, während mein Verlangen, dir alles zu erklären, ins Unermessliche steigt. Doch wahrscheinlich würde nicht einmal mehr das noch Sinn machen, wahrscheinlich würdest du nichts von dem verstehen, was ich dir sagen würde. Ich stehe am Ende, es scheint nicht mehr weiterzugehen. Ein Abschnitt meines Lebens geht heute Nacht zu Ende, doch ich habe das Gefühl als würde dieser Abschnitt alles beinhalten, was jemals geschehen ist. Als würde ich ganz neu anfangen müssen, ohne irgendeinen Halt. Ohne irgendeinen Sinn, denn mein Sinn warst du. Mein Sinn, warum ich gelebt habe. Doch mein Sinn ging verloren, brach so plötzlich ab wie die Verbindung zwischen unseren Stimmen, die durch unsere Handys zueinander versucht hatten zu finden und die, obwohl sie sich gegenseitig gehört hatten, nie wirklich da waren. 
Ich versuche zu realisieren, dass ich dich verloren habe.

Donnerstag, 9. August 2012

Und das Gefühl, welches sich Vermissen nennt, tritt in Form von roter Farbe aus meiner Haut.

Jetzt, wo du weg bist, fällt mir auf, wie sehr du mein Leben doch beeinflusst hast. Wie viel in meinem Leben nur aus dir bestand, wie viel mit dir verknüpft war. Fast jeder Mensch, der mir entgegenläuft erinnert mich in einer Weise an dich, jeder Gedanke ist nur ein Teil einer endlosen Kette aus Geistern, die am Ende doch bei dir endet. Alles, was ich tue, tue ich mit der aus Gedanken gebildeten Frage im Hinterkopf, was du wohl gerade machst. Ob du gerade vielleicht an mich denkst, oder ob du mich bereits aus deiner Erinnerung gelöscht hast. Ich frage mich, was wohl aus dem türkisen Schlüsselanhänger geworden ist und ob meine Handynummer noch irgendwo in deinem Kopf geschrieben steht. Und oft wünsche ich mir, ich hätte irgendetwas, was mir die Sicherheit gibt, dass du noch da bist. Dass es dich noch gibt, dass mir in irgendeiner Weise mitteilt, wie es dir geht. Doch wahrscheinlich würde ich es nicht aushalten, zu wissen, dass du irgendwo da draußen bist, dass du jetzt gerade irgendwo da draußen bist, irgendwo in dem schwarzen Nichts, gebaut aus Nacht und Melancholie, belebt durch Träume und dem Gefühl, welches sich Vermissen nennt.